Die rückläufige Entwicklung im Tourismus führt zu einem wachsenden Haushaltsdefizit. Hätten wir wieder die Besucherzahlen von vor Corona – wir hätten kein Haushaltsdefizit. Der Tourismus erwirtschaftet die Mittel, die wir für Bildung, Klimaschutz, Verkehrswende und Sozialausgaben brauchen.
Einer der maßgeblichen Gründe für den Besucherrückgang liegt in dem schrumpfenden Kulturangebot. Private "Attraktionen" schließen, öffentliche Häuser reduzieren ihren Spielplan und der Freien Szene fehlen Produktions- und Präsentationsräume. Berlin wird langweiliger – und andere Metropolen holen auf. Amsterdam etwa, konnte seine Besucherzahlen seit 2019 um ca. 30% erhöhen – Berlin liegt bald 15% hinter den Zahlen von vor Corona.
Die "City Tax" ist eine "grüne" Erfindung – zumindest in Berlin. Sie war von Anfang an dazu gedacht, zusätzliche Einnahmen zu generieren (also niemandem etwas wegzunehmen) welche dann ausschließlich der Kultur, insbesondere der Freien Szene zu Gute zu kommen. Dies war auch bereits mehrfach Beschlusslage und Teil von (Wahl-) Programmen. Hier ein Zugeständnis zu machen – also 75% statt 100% für die Kultur einzufordern ist bereits ein sehr schmerzhaftes Kompromissangebot.
Durch die Übernachtungssteuer (City Tax) werden etwa € 150 Mio. eingenommen – das entspricht in etwa den Kürzungen im Kulturbereich.
Eine Konkurrenz zu Hotellerie und Gastronomie besteht nur scheinbar – zum einen kommen ja weiterhin 100% (die City Tax kommt obendrauf) den Anbietenden zugute – zum anderen nehmen andere Städte ebenfalls entsprechende Aufschläge. Außerdem ist Berlin nach wie vor eine der günstigsten Großstädte (bei den Übernachtungskosten) in Europa.
Es ist völlig klar, dass es auch im Tourismus noch viele Herausforderungen gibt, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit oder die punktuelle Überlastung einzelner Kieze (Overtourism) – und dem werden wir uns auch ganz gezielt widmen – aber an dieser Stelle geht es erst einmal darum, die Verluste aus dem rückläufigen Tourismusgeschäft zu kompensieren – und das funktioniert am besten durch eine Stärkung der Attraktivität Berlins – und das bedeutet eine Stärkung des kulturellen Angebotes.