Dass Kultur mehr bedeutet, als in Sozialen Medien zu scrollen – dass aktive Teilnahme an Kultur für alle Menschen möglich ist – dass wir alle durch Kultur unsere Demokratische Gesellschaft gestalten können – dass Kultur ein spannendes, wichtiges, zukunftssicheres Arbeitsgebiet ist – müssen Kinder und Jugendliche selbst erleben.
Berlin hat die vielfältigste, diverseste und relevanteste Kulturlandschaft Europas – noch! Sie ist von vielen Seiten unter Druck.
- Gewinne werden über die großen Internetplattformen und Streamingkonzerne abgezogen,
- Produktions- und Präsentationsräume fallen zunehmend weg
- Künstliche Intelligenz lenkt Aufmerksamkeit und Wertschöpfungsketten weg von authentischer Kultur.
- Gleichzeitig verändern sich das Nutzungsverhalten, insbesondere der jungen Generationen, weg von „echter“ Kultur, hin zu digitalen Medien.
Ein Aspekt, auf den wir mit eigenen Mitteln auf Landesebene sofort und sehr kostengünstig Einfluss haben, ist Kulturelle Bildung. Zusammen mit den Kulturinstitutionen und den Unternehmen der Kreativwirtschaft haben wir deshalb das Projekt „4 x Kultur für Kinder“ entwickelt und auch schon in Wahlprogramm und Koalitionsverhandlungen versucht umzusetzen – damals scheiterte es an unseren Koalitionspartnern.
Kleine Kinder sind grundsätzlich kreativ. Sie tanzen, singen, malen, schauspielern, musizieren, gestalten, bauen und erfinden munter vor sich hin. Nach dem Durchlaufen der Schule bleiben von ursprünglich 100% völlig unbekümmert, bewusst und unmittelbar Kultur und Kunst kreierenden und aktiv konsumierenden Kindern, nicht einmal 10% übrig, welche gezielt und bewußt Kulturangebote nutzen – und nur etwa 2% die letztlich einem kreativen Beruf nachgehen. In der Schulzeit geht also 90% des Interesses an Kultur verloren. Eine kontinuierliche Entfremdung von Kultur und Kunst. 98% der Kinder und Jugendlichen kommen nicht mal mehr auf die Idee, das, was sie als Kinder den ganzen Tag geliebt haben, zu ihrem Beruf zu machen.
Professor Harald Lesch (Physiker!): „Ich bedaure eigentlich im Wesentlichen, dass viel zu wenig Kunst, Musik und Sport unterrichtet wird. Das sind die wesentlichen Fächer in der Schule, die die Kreativität der Kinder so stark beeinflussen wie nichts sonst. Kinder, die sportlich sind, die Musik machen, die Lust haben, Theater zu spielen, was zu malen, das werden Gehirne sein, die in Zukunft auf Fragen, die noch keiner heute weiß, entsprechend reagieren können.“
Solange das Berliner Bildungssystem in diesem Sinn noch so rückständig ist, sollten wir versuchen, das Interesse der Kinder und Jugendlichen für Kreativität wachzuhalten, ja vielleicht sogar wieder zu wecken – und dabei so viele Kulturtechniken zu vermitteln, wie nur möglich. Berlins Kreativwirtschaft leidet am Fachkräftemangel. Mit einem besseren Zugang zu Kreativberufen kann Berlin seiner wichtigsten Branche helfen.
Schüler:innen besuchen 4x im Jahr eine Kulturinstitution oder eine Kulturveranstaltung. Das ergibt im Laufe der Schulzeit 40 - 50 Besuche. Damit lässt sich eine Vielzahl der Akteur:innen der Berliner Kultur und Kreativwirtschaft entdecken. Alle! befragten Kreative, Künstler:innen, Kulturschaffende, Kulturproduzent:innen und Kulturinstitutionen waren begeistert von der Idee. Berlin wäre gut beraten, seine Möglichkeiten, seine Ausnahmestellung in dem Bereichen zu nutzen und seine Kulturszene so nachhaltig zu fördern.